Jagdverband Dresden e.V.
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Hegeringfahrt vom 25. Bis 26.06.2011 nach
Potsdam (Krongut Bornstedt) – Wittstock – Heidelberg (Rotwildlehrschau Hoheheide) – Meyenburg (Modemuseum)

Um es vorwegzunehmen: Am Ende der zweitägigen Hegeringfahrt waren sich die 40 Teilnehmer darüber einig, eine interessante, lehrreiche und gut organisierte Exkursion mit einem hohen Erinnerungswert erlebt zu haben.

Doch nun der Reihe nach: Vorangegangen war der Reise ins Brandenburgische eine längere Vorbereitungsphase einschließlich Vorreisen und vertraglicher Bindung der Reisepartner durch den Organisationsleiter, Weidgenossen R. Kotzur, und den Reise- und Hegeringleiter, Weidgenossen W. Burk.

Bezeichnend war wie immer von der ersten Minute an die sehr gute Stimmung an Bord des Reisebusses. Diese erlebte einen ersten Höhepunkt, als sich nach akribischer Ermittlung herausstellte, dass am letzten Haltepunkt in Thiendorf vier blinde Passagiere zugestiegen waren, die auch mit einem Bus nach Potsdam fahren wollten — allerdings als Teilnehmer einer SZ-Leserreise. Wir trennten uns also wieder in aller Freundschaft und sodann verlief unsere erste Etappe nach Potsdam, Krongut Bornstedt, ohne weitere Zwischenfälle. Halt, da war ja noch ein Höhepunkt: ein “Horrido” nachträglich auf den 75. und eine Runde Sekt von unserem Weidgenossen M. Kusch. Hoch und lange soll er leben!

Hegeringfahrt 2011

Für fast alle Teilnehmer war das Krongut Bornstedt (in Sichtweite von Potsdam-Sanssouci) als ehemaliger Sommersitz des hohenzollerischen Kronprinzenpaares Friedrich Wilhelm und seiner Gemahlin Victoria, heute Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, eine Neuentdeckung. In harmonischer landschaftlicher Umgebung ist es heute eines der beliebtesten Ausflugsziele und Veranstaltungsorte in Brandenburg. Verschiedenste Gutsfeste, Konzerte sowie Märkte und Hofläden laden über das ganze Jahr zum Besuch ein. Ein reichhaltiges und vielfältiges gastronomisches Angebot erfüllt nahezu alle angemessenen Wünsche. Natürlich nutzten wir gern das Angebot einer Gutsführung zum näheren Kennenlernen des Krongutes und zum Auffrischen der Kenntnisse über Preußens Gloria. Hier durften wir übereinstimmend eine Überraschung erleben, und zwar in Person unseres Gästeführers, Herrn Schöning. Nicht nur, dass er ein ausgezeichneter Kenner der Geschichte des hohenzollerischen Hauses ist, die er mit vielen kleinen Hintergrundinformationen darzubieten verstand, nein — er begeisterte uns vor allem durch seine außerordentlich brillant-flüssige Art der Moderation in angepasster humorvoller und schlagfertiger Form. Für uns hinterließ er den Eindruck eines brandenburgischen Pendants zum unvergessenen O. F. Weidling. Auch detaillierte Nachfragen und Ergänzungen zum Hause Hohenzollern durch unsere Reiseteilnehmer Prof. G. Hempel-Falkenhagen und zur medizinischen Behandlung von Kaiser Wilhelm II. durch Prof. Sarembe brachten ihn nicht aus dem Konzept.

Hegeringfahrt 2011

Hegeringfahrt 2011

Unsere nächste Etappe Hotel Stadt Wittstock erreichten wir am Nachmittag. Auf der Fahrt erlebten wir eine weitere durchaus willkommene Überraschung. Während eines planmäßigen Halts auf einem Autobahnparkplatz lud uns Weidgenosse Hahmann mit seiner Frau zu einer improvisierten Weinverkostung von köstlichen Weinen ein. Das setzt Maßstäbe!

Hegeringfahrt 2011

Hegeringfahrt 2011

Nachdem wir uns im Hotel eine Erholungspause gegönnt hatten, trafen sich die Teilnehmer mit den noch leistungsfähigen Läufen, um geführt von zwei Wittstocker Originalen das 1000jährige Wittstock mit seiner 2,5 km langen imposanten Stadtmauer, den Resten der alten Bischofsburg und der backsteinernen St. Marienkirche kennenzulernen.

Hegeringfahrt 2011

Hegeringfahrt 2011

Hegeringfahrt 2011

Hegeringfahrt 2011

Der Abend klang dann aus mit einem gemeinsamen Abendessen, zu dem wir weitere Gäste begrüßen konnten. Unserer Einladung waren gefolgt die ortsansässigen Weidgenossen Hubertus Krehl, Leiter der Rotwildlehrschau Hoheheide und Beauftragter des LJV Brandenburg für Trophäenbewertung, Werner Sperling, Vorsitzender des JV Pritzwalk, sowie Klaus Rollka, Vorstandsmitglied des JV Pritzwalk und Rotwild-Hegegemeinschaftsleiter. Im Mittelpunkt der Gespräche standen Fragen der Hege des Wildes, der Novellierung des Jagdrechts, der Verbands- und Hegegemeinschaftsarbeit. Von besonderem Interesse für unsere Gäste war aber auch, wie es unserem Hegeringleiter W. Burk gelingt, seit über zwei Jahrzehnten diese Art der Exkursionen als eine Form der gemeinsamen kameradschaftlichen Zusammenarbeit der Jäger, Jagdgenossen und Jagdfreunde mit ihren Partnerinnen zu organisieren. Dass es bei diesen Reisen natürlich auch z.B. um Fragen der jagdlichen Weiterbildung, der Erhaltung des jagdlichen Kulturgutes und das Kennenlernen unserer erlebenswerten Heimat geht — versteht sich von selbst. Eine Antwort dazu findet man sicher auch in der anspruchsvollen Jahresarbeitsplanung des Hegerings Moritzburg. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir in Form eines Gegenbesuches der Prignitzer Jäger in Dresden und Umgebung die ersten Früchte dieser Anregungen erleben werden.

Nach einer ruhigen, für manche kurzen Nacht im Hotel fuhren wir am nächsten Morgen zunächst alle zusammen zum Ort der Rotwildlehrschau in Heidelberg/Prignitz. Hier trennte sich die Reisegruppe — 19 Teilnehmer fuhren zum “Damenprogramm” — Besuch des Modemuseums Schloss Meyenburg. Der Zufall wollte es, dass dieser Gruppe nur ein männlicher Jagdfreund angehörte. Im weiteren Verlauf des Schlossbesuches sollte sich das noch als ein besonders glücklicher Umstand erweisen.

Hegeringfahrt 2011

Hegeringfahrt 2011

War es doch dieser Jagdfreund Fritz, der die anwesende Damenwelt zur Überbrückung der Wartezeit bis zur offiziellen Museumsführung, getreu dem Motto “Man(n) müsste Klavier spielen können....” am Klavier des Schlosses unterhielt und die Damen hingerissen und angeregt zu einer kleinen Witzerunde animierte. So hatte sich die Wartezeit im doppelten Sinne gelohnt, denn die Führung durch dieses einzigartige Modemuseum wurde für alle zu einer interessanten und beeindruckenden Reise in die Modewelt der Zeit von 1900 bis 1970.

Hegeringfahrt 2011

Hegeringfahrt 2011

Josefine Edle von Krepl, die in Fürstenwalde und Berlin-Pankow aufwuchs (mit österreichischen Wurzeln), hat diese Modenschau selbst zusammengetragen und ausgestaltet. Sie hatte schon von ihrer Jugend an eine ausgeprägte Sammelleidenschaft entwickelt, später Mode und Kostüm studiert, einige Jahre als Redakteurin der Zeitschrift “Für Dich” gearbeitet. Hier im Schloss Meyenburg, das mit UNESCO-Mitteln restauriert worden war, erhielt sie ab 2006 die Möglichkeit, einen Teil (ca. 1/10) ihrer umfangreichen Sammlung von Kleidern und Accessoires auszustellen. Alle waren sich einig, dass die Führung sehr informativ war und interessante Einblicke in die Lebensweise der Damenwelt gab. Spätestens ab den Ausstellungsstücken der 50er Jahre entlockten diese bei vielen ein “Ja, genau. So war es!”.

Das Mittagessen wurde im empfehlenswerten Hotel Germania in Meyenburg eingenommen, dann ging es zurück nach Heidelberg, um der Männerwelt von diesem eindrucksvollen Abstecher vorzuschwärmen.

Hegeringfahrt 2011

Diese 21 Teilnehmer am Rotwild-Seminar, welches von Hubertus Krehl geleitet wurde, waren sichtlich überrascht von der Fülle der gesammelten Trophäen, Abwurfstangen und sonstigen Ausstellungsstücke.

Zunächst fiel es schwer zu begreifen, wie hier seit Mitte der 70er Jahre durch systematische Arbeit vieler ortsansässiger Jäger ein qualitativ hochwertiger Konsultationspunkt als Rotwildlehrschau aufgebaut werden konnte, der seinesgleichen sucht. Nach der Neueröffnung 1995 besuchten bereits über 6000 Personen diese Lehrstätte. Sie wird vor allem zur Jungjägerausbildung, der Weiterbildung und dem Erfahrungsaustausch von Hegegemeinschaften genutzt. Da uns im Freistaat Sachsen leider etwas ähnliches fehlt, sollten m. E. zumindest die Rotwild-Hegegemeinschaftsleiter diesen Konsultationspunkt des LJV Brandenburg kennenlernen.

Zu sehen sind neben den Trophäen von Fundhirschen und Fehlabschüssen vor allem die fast lückenlosen Serien von Abwürfen. Sie sind es vor allem, die den Wert der Ausstellung ausmachen, da sie die lebenslange Entwicklung eines Hirsches dokumentieren.

Hegeringfahrt 2011

Hier wird erfolgreiche Hege erlebbar!

Es sind vor allem die relative Ruhe, gute Äsungsbedingungen und die Einhaltung der Abschussrichtlinien, die solche gesunden und starken Rotwildbestände hervorbringen. Lebendgewichte der kapitalen Rothirsche von z.T. über 300 kg geben dazu ein beredtes Zeugnis. Allgemeines Erstaunen auch erfahrener Teilnehmer unserer Gruppe setze ein, wenn Hubertus Krehl die lange Reihe der “Sechser” und “Achter” als Fehlabschüsse deklarierte, da sie nicht als Schmalspießer (besser: Einjährige) angesprochen wurden. Ein Grund mehr, noch genauer hinzuschauen und sich — besonders vor der Jagd in einem unbekannten Revier — über die Besonderheiten in Kenntnis zu setzen.

Hegeringfahrt 2011

Am Ende des mehrstündigen Seminars gab es für alle teilnehmenden Jäger eine Teilnahmebescheinigung durch die Landesjagdschule des LJV Brandenburg.

Vielen Dank und Weidmannsheil an alle Beteiligten!

Wir wünschen Hubertus Krehl, dem Leiter der Rotwildlehrschau Hoheheide, noch viele Teilnehmer an seinen interessanten Vorträgen. War er es doch auch, der auf seinem Grundstück auf eigene Kosten diesen Stützpunkt gestaltete durch den Anbau einer Scheune, die nunmehr in Trägerschaft des Kreisjagdverbandes Pritzwalk auch durch Mittel der Jagdabgabe finanziert wird.

Hegeringfahrt 2011

Hegeringfahrt 2011

Nicht unerwähnt bleiben soll das hervorragende Schüsseltreiben. Es schmeckte wie bei Muttern: Roulade mit Rotkraut u. Kartoffeln und Schnitzel mit Mischgemüse u. Kartoffeln sowie einem Dessert.

Ausreichend gestärkt ging unsere Reise mit den ersten noch leise geäußerten Gedanken zur Hegeringreise 2012 planmäßig zu Ende.

Wolfgang Burk, Hegeringleiter

Text: Rolf Kotzur
Fotos: Ilona Schramm / Rolf Kotzur

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